Anerkannte Farben laut ENCI/FCI-Standard
Als professioneller Züchter des Lagotto Romagnolo seit über einem Jahrzehnt kann ich bestätigen, dass eines der faszinierendsten Merkmale dieser außergewöhnlichen Rasse – neben ihrem bekannten Talent bei der Trüffelsuche – zweifellos der Reichtum und die Vielfalt der Fellfarben ist, von denen jede klar definierte Besonderheiten aufweist.
Anerkannte Farben laut ENCI/FCI-Standard
Der offizielle Standard sieht eine Farbpalette vor, die von Weiß bis Braun reicht und verschiedene Kombinationen sowie Schattierungen einschließt. Im Einzelnen sind anerkannt:
Weiß: vollständig weiß, auch wenn selten ohne leichte Flecken.
Schmutzigweiß mit orangefarbenen oder braunen Flecken: eine der häufigsten und geschätztesten Varianten.
Einfarbig braun: in verschiedenen Tönen vorhanden, von hellbraun bis dunkelbraun.
Einfarbig orange oder mit Weißanteil: seltener, aber vollkommen standardkonform.
Orange- oder braunschimmel: rassetypisch, gekennzeichnet durch eine gleichmäßige Mischung aus weißen und farbigen Haaren, die einen gesprenkelten Effekt erzeugt.
Braun mit dunklerer Maske: intensive Variante mit deutlicher Pigmentierung an Fang und Augenrändern.
Lohfarben: zulässig, sofern sie den anderen vorgeschriebenen Merkmalen entsprechen.
Wichtig ist zu betonen, dass Schwarz vom Standard ausdrücklich ausgeschlossen ist, ebenso wie jede Form schwarzer Flecken oder schwarzer Pigmentierung an Nase und Augenlidern.
Pigmentierung und farbliche Harmonie
Ein grundlegender Aspekt betrifft die Pigmentierung, die immer mit der Fellfarbe übereinstimmen muss.
Die Nase muss braun sein, mit Nuancen von hell bis dunkel je nach Fellfarbe. Ebenso müssen auch die Schleimhäute und die Augenränder gut pigmentiert und harmonisch wirken. Eine Depigmentierung gilt als Fehler.
Eigenschaften des Fells
Das Fell des Lagotto ist eines seiner markantesten Kennzeichen:
- lockig, dicht und wollig in der Struktur
- wasserabweisend und kälteresistent
- ohne saisonalen Fellwechsel, mit kontinuierlichem Haarwachstum
Gerade deshalb benötigt es eine regelmäßige Pflege, die unerlässlich ist, um Gesundheit und Funktionalität des Fells zu erhalten.
Ein typisches Phänomen der Rasse ist die sogenannte „evolutionäre Aufhellung“: Viele Welpen werden mit intensiveren Farben geboren, die sich im Laufe der Zeit verändern und heller werden oder sich manchmal angleichen, besonders bei Schimmel- oder orangefarbenen Hunden. Auch das Scheren kann die Wahrnehmung der Fellfarbe beeinflussen.
Genetische Aspekte und Zuchtauswahl
Aus Sicht des Züchters ist die Farbauswahl niemals ein Selbstzweck, sondern Teil einer umfassenderen Arbeit, die Gesundheit, Charakter und morphologisches Gleichgewicht einschließt.
In unserer Zucht legen wir besonderen Wert darauf:
- die Farbvielfalt im Einklang mit dem Standard zu erhalten
- Verpaarungen zu vermeiden, die unerwünschte Varianten weitergeben könnten (wie übermäßige Aufhellungen oder eine Tendenz zu frühem Ergrauen)
- die Fellqualität zu bewahren, die für die Funktion des Arbeitshundes wesentlich ist
Schwarzer Lagotto
Oft hört man von einem „schwarzen Lagotto“, doch es ist wichtig klarzustellen, dass diese Farbe vom ENCI/FCI-Standard des Lagotto Romagnolo nicht anerkannt wird.
Schwarz ist ausdrücklich ausgeschlossen: Weder schwarze Fellfarben noch schwarze Pigmentierungen an Nase, Augenlidern oder Schleimhäuten sind zulässig.
Wenn ein Welpe sehr dunkel erscheint, handelt es sich in den meisten Fällen um ein besonders intensives Braun oder um eine Farbnuance, die sich mit dem Wachstum durch das typische Entwicklungsphänomen des Fells aufhellen wird.
Daher ist es für alle, die einen standardgerechten Lagotto suchen, entscheidend, sich an seriöse Züchter zu wenden, die Hunde mit korrekten Farben auswählen und Missverständnisse durch ungenaue Bezeichnungen wie „schwarz“ vermeiden, da diese nicht zur Rasse gehören.
Die Farbe des Lagotto Romagnolo ist nicht nur ein ästhetisches Element, sondern ein wesentlicher Teil seiner Identität. Jeder Hund ist einzigartig, und gerade in dieser Vielfalt liegt ein Teil des besonderen Reizes dieser Rasse.
Die Aufgabe eines verantwortungsvollen Züchters besteht darin, diesen Reichtum zu bewahren und gleichzeitig stets den Respekt vor dem ENCI/FCI-Standard sowie vor allem das Wohlbefinden und die Gesundheit des Hundes in den Vordergrund zu stellen.
